Energiemanagement auf die wirklich relevanten Verbraucher konzentrieren
Ein größerer Standort kann tausende elektrische und thermische Verbraucher besitzen. Würden alle Verbraucher mit derselben Intensität analysiert, überwacht und optimiert, wäre ein Energiemanagementsystem schnell überdimensioniert.
Deshalb ist die Identifikation der wesentlichen Energieeinsätze, international als Significant Energy Uses beziehungsweise SEU bezeichnet, ein entscheidender Steuerungsansatz. Die vorhandenen FM-Connect-Inhalte greifen SEU bereits im Abweichungsmanagement und bei der Energieplanung auf; eine eigene fachliche Seite fehlt jedoch.
Wesentliche Energieeinsätze (SEU) für die Analyse von Energiepotenzialen
Wesentlichkeit nicht nur über Verbrauch definieren
Ein besonders großer Energieverbraucher ist häufig ein SEU. Die reine Verbrauchsmenge sollte jedoch nicht das einzige Kriterium sein.
Auch Anlagen mit hohem Verbesserungspotenzial können für das Energiemanagement besonders relevant sein.
Mögliche Bewertungskriterien sind:
Anteil am Gesamtenergieverbrauch,
Energiekosten,
Leistungsbedarf,
Betriebsstunden,
technisches Einsparpotenzial,
Einflussmöglichkeiten des Betreibers,
erwartete Verbrauchsentwicklung.
Damit wird Wesentlichkeit als Kombination aus Bedeutung und Beeinflussbarkeit verstanden.
Anlagen und Prozesse sinnvoll abgrenzen
Ein SEU kann eine einzelne Anlage sein, etwa eine große Kältemaschine. Ebenso kann ein gesamtes System als wesentlicher Energieeinsatz betrachtet werden, beispielsweise Druckluftversorgung, RLT eines Produktionsbereichs oder Wärmeversorgung eines Gebäudekomplexes.
Die Abgrenzung sollte so gewählt werden, dass später tatsächlich Messung, Betriebssteuerung und Maßnahmenzuordnung möglich sind.
Relevante Einflussgrößen identifizieren
Ein Verbrauchswert allein erklärt noch keine Energieperformance.
Für jeden wesentlichen Energieeinsatz sollten deshalb die relevanten Einflussfaktoren bekannt sein.
Das können beispielsweise sein:
Außentemperatur,
Produktionsmenge,
Belegung,
Betriebszeit,
Luftmenge,
Raumtemperatur,
Prozesslast.
Dadurch kann zwischen einem berechtigt höheren Verbrauch und einer echten Effizienzverschlechterung unterschieden werden.
Verantwortlichkeiten auf Anlagenebene schaffen
Jeder wesentliche Energieeinsatz sollte einen klaren technischen Verantwortungsbereich besitzen.
Der Verantwortliche muss nicht zwingend Energiemanager sein. Häufig liegt die operative Kompetenz bei TFM, Produktion oder Anlagenverantwortlichen.
Das Energiemanagement stellt dagegen Analyse, Kennzahlen und Verbesserungssystematik bereit.
SEU gezielter überwachen
Für wesentliche Energieeinsätze lohnt typischerweise eine höhere Datentiefe.
Dazu können gehören:
Unterzähler,
Laufzeitdaten,
GLT-Trends,
Betriebsparameter,
spezifische Energieleistungskennzahlen,
automatisierte Abweichungserkennung.
So werden relevante Verschlechterungen schneller sichtbar.
Veränderungen kontrollieren
Neue Anlagen, Produktionsänderungen oder größere Effizienzmaßnahmen können die SEU-Struktur verändern.
Die Einstufung sollte deshalb regelmäßig überprüft werden.
Ein früher wesentlicher Verbraucher kann nach einer Modernisierung an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig kann ein anderer Bereich wachsen.
Priorität für Verbesserungsmaßnahmen schaffen
SEU helfen auch bei der Maßnahmensteuerung.
Optimierungsressourcen werden zunächst dort eingesetzt, wo die größte energetische Wirkung zu erwarten ist.
Damit verbindet die SEU-Systematik Energieanalyse, Messkonzept, technische Betriebsführung und Maßnahmenmanagement.
Ein wirksames Energiemanagement versucht also nicht, jeden Verbraucher gleich intensiv zu optimieren. Es erkennt, welche Energieeinsätze das Gesamtergebnis wesentlich prägen und wo technische und organisatorische Aufmerksamkeit den größten Nutzen erzeugt.