Eine Maßnahme ist erst erfolgreich, wenn ihre Wirkung nachgewiesen ist
Energieprojekte werden häufig über erwartete Einsparungen beschlossen. Eine neue Regelstrategie soll zehn Prozent sparen, ein Pumpentausch den Stromverbrauch reduzieren oder eine Wärmerückgewinnung erhebliche Wärmemengen ersetzen.
Nach Umsetzung wird dagegen nicht immer mit gleicher Konsequenz geprüft, ob diese Wirkung tatsächlich erreicht wurde.
Genau hier setzt Measurement and Verification – M&V an. ISO 50015 stellt allgemeine Grundsätze und Leitlinien für die Messung und Verifizierung der Energieperformance von Organisationen oder Teilen davon bereit.
Messung und Verifizierung von Energieeinsparungen zur Erfolgskontrolle
Die wichtigste Regel lautet: Der Einsparnachweis sollte nicht erst entwickelt werden, wenn die Maßnahme bereits abgeschlossen ist.
Vor Beginn muss geklärt sein:
Welche Größe wird gemessen?
Welche Baseline gilt?
Welche Einflussgrößen wirken?
Welche Messstellen werden benötigt?
Wie lange wird gemessen?
Wie wird die Einsparung berechnet?
Sonst fehlen später möglicherweise entscheidende Ausgangsdaten.
Systemgrenze passend wählen
Eine Maßnahme kann auf unterschiedlicher Ebene bewertet werden.
Bei einem Motorentausch kann die direkte elektrische Leistungsaufnahme gemessen werden.
Bei einer komplexen RLT-Optimierung kann dagegen das gesamte Anlagensystem relevant sein.
Bei gebäudeweiten Maßnahmen kann eine Betrachtung des Gesamtenergieverbrauchs zweckmäßig werden.
Die gewählte Systemgrenze muss zur Maßnahme passen.
Vorher und nachher vergleichbar machen
Ein einfacher Vergleich zweier Monatsverbräuche kann irreführend sein.
Witterung, Betriebszeiten, Belegung oder Produktion können sich verändert haben.
Daher müssen relevante Einflussgrößen berücksichtigt werden.
Das Ziel lautet nicht, exakt gleiche Bedingungen herzustellen – dies ist im realen Gebäudebetrieb oft unmöglich –, sondern Unterschiede fachlich nachvollziehbar zu korrigieren.
Datenqualität dokumentieren
Auch Messunsicherheit gehört zum Ergebnis.
Ungeeignete Zähler, Datenlücken oder veränderte Messpunkte reduzieren die Aussagekraft.
Ein M&V-Bericht sollte daher offen darstellen, welche Daten verwendet wurden und wo Grenzen bestehen.
Technische Funktion und energetische Wirkung unterscheiden
Eine neue Anlage kann technisch mangelfrei abgenommen sein und dennoch die geplante Energieperformance verfehlen.
Umgekehrt kann eine Maßnahme energetisch wirken, obwohl noch kleinere technische Restpunkte bestehen.
Beide Prüfungen sind notwendig und sollten nicht verwechselt werden.
Abweichungen untersuchen
Wird das Einsparziel nicht erreicht, beginnt die eigentliche Erkenntnisarbeit.
Mögliche Gründe sind:
falsche Ausgangsannahmen,
andere Nutzungsbedingungen,
fehlerhafte Regelung,
unzureichende Einregulierung,
Nutzerverhalten,
technische Mängel.
Aus der Verifizierung können deshalb weitere Optimierungsmaßnahmen entstehen.
Ergebnisse für Investitionsentscheidungen nutzen
Ein Unternehmen, das systematisch nachweist, welche Maßnahmen tatsächlich funktionieren, verbessert seine zukünftigen Business Cases.
Erwartete und realisierte Einsparungen können miteinander verglichen werden.
Vom Projektversprechen zum belastbaren Ergebnis
M&V verändert damit das Maßnahmenmanagement.
„Maßnahme umgesetzt“ reicht nicht mehr als Abschlussstatus.
Die entscheidende Frage lautet:
„Welche nachweisbare Verbesserung der Energieperformance wurde tatsächlich erreicht?“
Damit schafft die Verifizierung Glaubwürdigkeit gegenüber Management, Auditoren und Investitionsentscheidern und macht aus Energieeffizienzprojekten messbare betriebliche Verbesserungen.