Energieperformance fair und nachvollziehbar bewerten
Ein geringerer Energieverbrauch bedeutet nicht automatisch bessere Energieeffizienz. Ein Gebäude kann weniger Strom benötigen, weil es weniger genutzt wurde. Eine Produktionsanlage kann mehr Energie verbrauchen, weil deutlich mehr produziert wurde. Ein kalter Winter kann den Wärmebedarf erhöhen, obwohl die technische Betriebsführung verbessert wurde.
ISO 50006 beschreibt ausdrücklich die Einrichtung, Anwendung und Pflege von Energieleistungskennzahlen und energetischen Ausgangsbasen zur Bewertung der Energieperformance.
Energieleistungskennzahlen und Energiebaselines zur Bewertung der Energieeffizienz
Ein Monatsbericht mit Megawattstunden ist sinnvoll, beantwortet aber nicht automatisch die Frage nach Effizienz.
Ergänzend können spezifische Kennzahlen gebildet werden, beispielsweise:
kWh/m²,
kWh je Nutzer,
kWh je Betriebsstunde,
kWh je Produktionseinheit,
kWh je Kubikmeter Druckluft,
COP einer Wärmepumpe,
spezifischer Strombedarf einer RLT-Anlage.
Die Kennzahl muss zum jeweiligen Energieeinsatz passen.
Baseline als Vergleichsmaßstab definieren
Eine Energiebaseline beschreibt den Referenzzustand, mit dem spätere Energieperformance verglichen wird.
Sie kann beispielsweise auf einem historischen Zeitraum beruhen.
Entscheidend ist, dass dieser Zeitraum repräsentativ ist. Außergewöhnliche Anlagenstörungen, längere Leerstände oder Sonderproduktionen können eine ungeeignete Ausgangsbasis erzeugen.
Einflussgrößen berücksichtigen
Besonders wichtig ist die Normalisierung.
Ist der Energieverbrauch wesentlich von Wetter, Belegung oder Produktionsmenge abhängig, sollte dieser Zusammenhang in der Bewertung berücksichtigt werden.
Bei Wärmeverbräuchen kann beispielsweise die Witterung einen erheblichen Einfluss besitzen.
So lässt sich unterscheiden zwischen:
Verbrauchsänderung durch Rahmenbedingungen und Verbesserung der tatsächlichen Energieperformance.
Kennzahlen nicht unnötig vermehren Ein Energiemanagementsystem kann leicht dutzende oder hunderte KPIs erzeugen. Das erhöht nicht automatisch die Steuerungsqualität.
Gute EnPI besitzen:
eindeutige Berechnung,
belastbare Datengrundlage,
fachlichen Bezug,
klaren Verantwortlichen,
definierte Zielwerte,
tatsächliche Entscheidungsrelevanz.
Wenige belastbare Kennzahlen sind häufig wertvoller als ein großes Dashboard ohne Handlungskonsequenz.
Baselines bei strukturellen Änderungen überprüfen
Gebäude und Anlagen verändern sich.
Neue Produktionslinien, Flächenerweiterungen, Nutzungsänderungen oder größere technische Erneuerungen können dazu führen, dass eine alte Baseline ihre Aussagekraft verliert.
Eine Anpassung darf jedoch nicht dazu dienen, schlechte Ergebnisse nachträglich zu verschönern.
Änderungsgrund und neuer Referenzstand sollten deshalb nachvollziehbar dokumentiert werden.
Kennzahlen für unterschiedliche Rollen aufbereiten
Ein technischer Anlagenverantwortlicher benötigt andere Kennzahlen als die Geschäftsführung.
Die technische Ebene kann beispielsweise COP, Laufzeiten oder Differenzdruck betrachten.
Management benötigt stärker verdichtete Aussagen zu Zielerreichung, Einsparung, Kosten und Investitionsbedarf.
Performance statt bloßer Verbrauchsbeobachtung
EnPI und Baselines verändern damit die Qualität des Energiemanagements.
Die Organisation fragt nicht mehr nur:
„Wie viel Energie haben wir verbraucht?“
Sondern:„Wie gut war unsere Energieperformance unter den tatsächlich vorhandenen Betriebsbedingungen?“
Damit wird Energiemanagement vergleichbarer, auditfähiger und vor allem technisch deutlich aussagekräftiger.